Freitag, 14. Juli 2006, 14.00 Abdankung ref. Kirche Zürich-Höngg
Frau Verena Hadorn Kilchenmann Brunnwiesenstrasse 37, 8049 Zürich
Liturgie
1. Grusswort: 1. Timotheus 1,2
Gnade, Barmherzigkeit und Friede von Gott, dem Vater, und Christus Jesus, unserem Herrn!
2. Eingangswort: Jesaja 55,8-9
Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken,
und eure Wege sind nicht meine Wege,
spricht der Herr,
sondern so hoch der Himmel über der Erde ist,
so viel sind meine Wege höher als eure Wege
und meine Gedanken höher als eure Gedanken.
Mit diesem Ausdruck des Unverständnisses sind wir hier. Wir sind traurig, denn wir müssen für immer Abschied nehmen von Verena Hadorn, einem Menschen, der uns lieb war.
Sie schreiben in der Todesanzeige:
„Verena
Hadorn Kilchenmann ist heute gestorben.
Ihre
Flöte ist vor einigen Wochen verstummt.
Seitdem
hat sie sich ganz dem Kampf gegen die jüngste und dramatische Attacke ihrer
Krebserkrankung widmen müssen.
Diesmal
hat die Krankheit ihr aber keine Chance gelassen.“
Und doch versuchen wir jetzt nicht nur auf das zu blicken, was der Tod uns genommen hat.
Wir blicken dankbar auf das Gute, die Freundschaft und die Liebe, die uns die Verstorbene geschenkt hat.
3. Eingangsgebet
Vater im Himmel
In dieser Stunde des Abschieds
treten wir in deine Nähe.
Wir bringen dir unsere Traurigkeit
und den Schmerz über den Abschied.
Wir bringen dir aber auch alle Erinnerungen an die Gespräche und Erlebnisse mit Verena Hadorn.
Auch die unbeantworteten Fragen
finden bei dir Raum.
Wir blicken auf viele wertvolle und unvergessliche Begegnungen zurück.
Es ist so vieles – auf einmal kaum zu bewältigen.
Gott, unser Gott!
Du bist Licht.
Erhelle unser Dunkel durch deine Gegenwart.
Du hast ein hörendes Herz.
Dir wollen wir unsere Not schreien und unsere Tränen weinen.
Du bist Stärke.
Stütze uns in unserer Ohnmacht.
Du bist Trost.
Sprich uns Worte der Hoffnung zu, die nur du sprechen kannst.
Bringe Frieden in unser Herz durch Jesus Christus.
Amen.
1. Verena Lebenslauf 1 - 20
Ich lese Ihnen im 1. Teil den Lebenslauf, wie ich ihn von ihrer Mutter erhalten habe:
„Verena Hadorn wurde am 24. August 1948 geboren.
Ihre Kindheit verlief ohne grosse Probleme.
Ganz geborgen fühlte sie sich, wenn sie hörte, wie der Vater des nachts in der Backstube arbeitete.
Bald kam auch schon der Kindergarten und damit die erste Enttäuschung mit Tränen, weil sie im Krippenspiel den Esel darstellen musste.
Drei Jahre später jedoch war sie im Krippenspiel der Schule die Maria.
Beim Eintritt in die Sekundarschule erhielt sie ihre erste Querflöte.
Ein begabter Musiklehrer unterrichtete sie.
Nun ging es los mit üben, spielen, kleinen Kinderkonzerten und natürlich auch Aufgaben machen.
So kam sie in das Mädchenseminar Marzili, wo musische Begabung und Fleiss weiter halfen.
Bei Debost in Paris bildete sie sich musikalisch weiter.
In dieser Zeit unterrichtete sie als Primarlehrerin in Bätterkinden.
Sie sparte für einen halbjährigen Aufenthalt in Paris, um sich danach ganz der Musik zu widmen.
Die musikalische Ausbildung schloss sie mit dem Lehrdiplom und später mit dem Konzertdiplom ab.
(Text: Helene Hadorn)
In ihrem Portrait im Internet heisst es:
Verena Hadorn studierte bei Urs Lehmann und Raymond Meylan in Basel und bei Michel Debost in Paris. Nach dem Konzertdiplom erweiterte sie ihre Studien in Meisterkursen bei James Galway und Aurèle Nicolet.
Sie lebt als freischaffende Musikerin in Zürich, wo sie auch unterrichtet.
Schwerpunkt ihrer musikalischen Arbeit ist die Kammermusik, oft mit zeitgenössischer Musik in wechselnden Ensembles.
Als Orchestermusikerin ist sie Mitglied des "Orchestre Philharmonique Suisse" und des "Orchestre du Septembre Musical" (Festivalorchester von Montreux) sowie Soloflötistin im Kammerorchester Kobelt, im "Consortium musicum" und in mehreren ad hoc Ensembles.
Ihre Konzerte führten sie nach Deutschland, Österreich , Frankreich, Italien, England ....
Mit verschiedenen Kammerorchestern trat sie als Solistin auf.
Sie hat Radio- und Fernsehaufnahmen im In- und Ausland gemacht.
Hier halten wir inne – mitten im Leben, in ihrem Wirken und Schaffen.
Für die nächsten 20 Minuten folgen wir nicht menschlichen Worten.
Denn noch einmal soll die Flöte erklingen und die Musik, die Verena Hadorn lieb und kostbar war und wofür sie auch hart gearbeitet hat, soll unter uns gegenwärtig sein und uns an sie erinnern, an ihr Spiel, ihre Liebe, ihr Wesen, an die Begegnungen mit ihr und die vielen Erlebnisse, die uns unterwegs mit ihr verbunden haben.
Nahe Freunde und zugleich professionelle Musikerinnen und Musiker haben sich liebevoll bereit erklärt ihr heute zu spielen.
Wir hören zunächst aus dem Brandenburgischen Konzert Nr. 5 in D-Dur von Johann Sebastian Bach, das Allegro, das Affettuoso und schliesslich das Allegro.
Wir bitten Sie nicht wie in einem Konzert zu applaudieren, sondern in ihren Gedanken zu verweilen und der Verstorbenen Verena Hadorn in Würde und Dankbarkeit zu gedenken.
Gleich an dieser Stelle möchte ich im Namen der Familie allen Musikerinnen und Musikern, die heute an der feierlichen Abdankung mitwirken – auch Max Glauser an der Orgel von Herzen danken.
2. Johann Sebastian Bach (1685 - 1750): Brandenburgisches Konzert Nr. 5 D-Dur BWV1050, 1721 - I Allegro (7:47) II Affettuoso (5:29) III Allegro (5:08)
3. Freundesworte Herr Prof. Dr. A. Baumgartner, Rektor der Kantonsschule Hohe Pormenade
4. Kantate 106 "Gottes Zeit ist die alllerbeste Zeit" Max Glauser, Organist
5. Predigt
6. Domenico Cimarosa (1749-1801):
Konzert G-Dur für 2 Flöten und Orchester, 1793
I. Allegro
7. Fürbitte
Herr, Jesus Christus
Ungern lassen wir diesen nahestehenden Menschen los. Er gehörte mit zu unserem Leben.
Er war ein Teil von uns.
Mit Wehmut erinnern wir uns an vergangene gemeinsame Tage -
an Sonnenschein und an düstere Tage.
Jesus Christus, nimm das Vergangene in deine barmherzigen Hände:
unser Versagen in deine Vergebung
und unsere Unruhe in deine Liebe.
Wir danken dir für Verena Hadorn,
für das, was du ihm gegeben hast
und für alles, was er uns schenkte.
Gib, dass das, was du uns in ihm geschenkt hast,
uns auf unserem Weg begleite und uns miteinander verbinde.
Schenke, dass auch wir aus deiner Zuwendung leben.
Sei uns nahe und begleite uns. Amen.
8. Lied 537 1.10.14 (Geh aus mein Herz)
9. Segen
Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden. Amen.
Besinnung am Grab
Jede Blüte will zur Frucht
Jeder Morgen Abend werden
Ewiges ist nicht auf Erden
Als der Wandel, als die Flucht
Auch der schönste Sommer will
Einmal Herbst und Welke spüren
Halte, Blatt, geduldig still
Wenn der Wind dich will entführen.
Spiel dein Spiel und wehr’ dich nicht.
Lass es still geschehen
Lass vom Winde, der dich bricht,
Dich nach Hause wehen
Hermann Hesse
Der Wind bläset wo er will
und du hörest sein Sausen wohl
aber du weisst nicht von wannen er kommt
und wohn er fähret.